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Von Reisen wird abgeraten: Teherans Geiselpolitik macht selbst vor Touristen nicht mehr Halt مطلب ویژه

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Nach der Festnahme mehrerer europäischer Touristen in Iran haben Kanadier, Amerikaner und Briten ihre Reisewarnungen für das Land auf die höchste Stufe angehoben. Für den Tourismus in dem kulturreichen Land ist das eine Tragödie.

Neue Zürcher Zeitung

Die Scheich-Lotfollah-Moschee in Isfahan gehört ohne Zweifel zu den schönsten Bauwerken der islamischen Architektur zwischen Marokko und Malaysia. Doch das kanadische Aussenministerium rät seit Montag seinen Bürgern dringend von einer Reise zu der blauen Moschee am Meydan-e Naqsh-e Jahan, dem Platz des Abbilds der Welt, ab. Auch das State Department in Washington warnt seit kurzem vor jeder Art von Reisen nach Iran. «Do not travel», heisst es seit dem 6. Juni rot unterlegt auf der Website des amerikanischen Aussenministeriums.

Der Grund für die kategorische Reisewarnung ist die Gefahr der willkürlichen Festnahme und Inhaftierung in Iran, wie das State Department schreibt. Bei den Kanadiern, Australiern und Briten, die seit einigen Wochen ebenfalls von Reisen in die Islamische Republik abraten, ist die Begründung ähnlich. Mit der Verschärfung der Reisehinweise senden die Angelsachsen ein klares Signal, dass ein Besuch des alten Persien auch für Touristen nicht länger sicher ist.

Hintergrund ist die steigende Zahl westlicher Ausländer, die in Iran wegen Spionage und anderer Vorwürfe festgenommen worden sind. Nachdem lange vor allem Forscher, Journalisten und Geschäftsleute betroffen waren, von denen viele eine doppelte Staatsbürgerschaft haben, traf es jüngst auch mehrere europäische Touristen. So wurden Anfang Mai eine französische Lehrerin und ihr Mann in Teheran mit dem Vorwurf festgenommen, das politische System destabilisieren zu wollen.

Inzwischen kann es jeden treffen

Die Frau ist bei einer französischen Lehrergewerkschaft für auswärtige Beziehungen zuständig. Französische Medien spekulieren, dass sie verdächtigt wird, den Kontakt mit protestierenden Lehrern in Iran gesucht zu haben. In dem Land mehren sich wegen der desolaten Wirtschaftslage die Proteste und Streiks von Ölarbeitern, Beamten und Lehrern. Ihre Gewerkschaft betont aber, sie habe während der Osterferien eine private Urlaubsreise unternommen.

Bereits im Januar war ein französischer Tourist wegen Spionage zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte im Norden Irans mit einer Drohne Fotos gemacht. Ebenfalls in Haft ist die französisch-iranische Anthropologin Fariba Adelkhah, die 2019 festgenommen und 2020 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Andere Forscher wie die Neuseeländerin Kylie Moore-Gilbert waren nach langen Monaten in Haft im Tausch für im Ausland inhaftierte Iraner freigelassen worden.

Raisis rücksichtslose Geiselpolitik

Als treibende Kraft hinter Teherans Geiselpolitik wird der langjährige Justizchef und heutige Staatspräsident Ebrahim Raisi vermutet. Der prominenteste Fall war lange die britisch-iranische Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe. Sie konnte im März nach jahrelangen Verhandlungen zwischen London und Teheran endlich zu ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter zurückkehren. In dem Zuge willigte Grossbritannien ein, eine jahrzehntealte Schuld für ein Waffengeschäft zu begleichen, das noch vom Schah abgeschlossen worden war, die London aber nach der Revolution 1979 sistiert hatte.

Ein weiteres Opfer ist der schwedisch-iranische Arzt Ahmad Reza Jalali, dem wegen Spionage die Hinrichtung droht. Amnesty International wirft Teheran vor, ihn als Druckmittel zu benutzen: um die Freilassung eines in Schweden angeklagten früheren iranischen Staatsanwalts sowie eines in Belgien verurteilten Geheimdienstagenten zu erzwingen.

Der Tourismus ist der Kollateralschaden

Auch die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi sitzt seit Oktober 2020 in Haft. Im vergangenen August wurde die 67-jährige Architektin aus Köln wegen Leitung einer illegalen Gruppe zu zehn Jahren Haft verurteilt. Um was für eine Gruppe es sich handeln soll, ist unbekannt. Ihre Tochter bestreitet, dass Taghavi politisch aktiv war. All diese Fälle zeigen: Niemand ist vor willkürlicher Festnahme und jahrelanger Inhaftierung in Iran sicher. Selbst einfache Touristen kann es treffen.

Für den Tourismus im Land hat das schwere Folgen. Dieser hatte nach 2011 einen Boom erlebt, da andere geschichtsreiche Länder wie Ägypten, Syrien und Jemen wegen der Unruhen nach dem Arabischen Frühling für Reisende zu unsicher geworden waren. Angesichts der Bürgerkriege in der Nachbarschaft erschien Iran plötzlich als Hort der Stabilität. Viele Bildungsreisende entdeckten begeistert die Ruinen von Persepolis, die alte Wüstenstadt Yazd und die Gastfreundschaft der Iraner.

Selbst Couchsurfing war im Reich der Mullahs plötzlich möglich, und ein Visum gab es unkompliziert bei der Einreise am Flughafen. 2019 kamen 8,8 Millionen Touristen ins Land, bevor die Corona-Pandemie dem Boom ein jähes Ende setzte. Heute erscheint eine baldige Erholung des Tourismus unwahrscheinlich. Zwar gehen Deutschland und Frankreich bei ihren Reisewarnungen nicht so weit wie die Amerikaner oder die Briten, doch raten auch sie schon länger von nicht notwendigen Reisen ab. Ein Besuch der Moscheen von Isfahan wird also warten müssen.

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