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Deutsch-Iranerin aus Frankfurt "Mahsa Aminis Tod war ein Zünder für das Pulverfass"

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Proteste in Iran nach dem Tod von Mahsa Amini: Die breite Masse ist auf der Straße. (Quelle: WANA NEWS AGENCY/rtr)

T Online

Bei schweren Unruhen im Iran sind mindestens 17 Menschen gestorben. Das Regime reagiert mit brutaler Härte.

Ein Gastkommentar einer Deutsch-Iranerin.

Mahsa Amini ist nicht tot. Mahsa lebt, sie lebt weiter in diesem Widerstand und in diesem Kampf der Iraner gegen die religiöse Diktatur in Teheran, welche nun die Grundpfeiler des Regimes der Ayatollahs erschüttern. "Ich bin hier fremd, bitte nehmt mich nicht mit", hatte die 22-jährige Mahsa noch gefleht, die aus der kurdischen Provinz stammt.

Dennoch wurde sie von den Sittenwächtern unter dem Vorwand abgeführt, die strenge Kleidervorschrift nicht eingehalten zu haben. Sie stirbt einige Stunden später im Krankenhaus in Folge der massiven Gewalteinwirkung auf ihren Kopf.

سحر سنايي Sahar Sanaie

Die Frankfurterin Sahar Sanaie: Für sie lebt Mahsa Amini im Widerstand der jungen Iraner weiter. (Quelle: Privat)

 

Sahar Sanaie ist 36 Jahre alt und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Seit Jahren ist sie im iranischen Widerstand und Mitglied beim Nationalen Widerstandsrat Iran sowie in der NGO "Association Internationale pour légalite des femmes".
Sanaies Eltern sind vor 30 Jahren aus dem Iran geflüchtet. Die 36-Jährige lebt seit ihrem fünften Lebensjahr in Frankfurt am Main. Die Brüder ihres Vaters und eine Cousine wurden in den 80er-Jahren im Iran hingerichtet. Sanaies Eltern waren im Iran inhaftiert.

Mahsa Amini wurde brutal niedergeschlagen

Das iranische Regime versucht, das Unabdingbare aufzuhalten. Mahsa sei an einem Schlaganfall gestorben, ohne jegliche Fremdeinwirkung. MRT-Aufnahmen, welche von Hackern der Krankenhaus-Software an einen iranischen Fernsehsender geschickt worden waren, sollen das Gegenteil belegen. Die Opposition ist sicher: Mahsa wurde brutal niedergeschlagen. Die Polizei weist das vehement zurück.

Mahsa ist keine Fremde mehr, jetzt ist sie international bekannt. Ihr Tod hat zu Entrüstung und Aufruhr im ganzen Iran geführt. Seit einer Woche toben in Irans Städten massive, wutentbrannte Proteste. Bis heute leiden die Frauen in der Gesellschaft am meisten unter dem Unterdrückungsapparat der Ayatollahs. Nun steht die breite Masse auf der Straße. Mahsa Aminis Tod war ein Zünder für das Pulverfass: Die Glut unter der Asche, die seit der Machtübernahme der Ayatollahs vorherrscht, wurde entflammt.

اعتراضات در ایران پس از مرگ مهسا امینی تودههای گسترده در خیابانها هستند

Frauen und Männer, Junge, Alte, Reiche und Arme stehen Schulter an Schulter auf der Straße und rufen: "Ich töte den, der meine Schwester getötet hat" und "Tod dem Diktator". "Wir wollen nicht, dass unsere Mädchen wegen eines Kopftuchs sterben", sagt eine Frau aus Teheran. Doch längst geht es nicht mehr um das Kopftuch. Seit über 40 Jahren herrscht die religiöse Diktatur im Iran. Die Iraner machen ganz deutlich: Wir haben genug.

Nach den Protesten im November 2019 hat das iranische Regime nicht nur seine Versprechen zur Besserung der wirtschaftlichen und politischen Lage gebrochen, sondern die Unterdrückung weiter ausgebaut. Selbst die bisher Regimetreuen haben ihre Hoffnung in die iranische Diktatur verloren.

Ebrahim Raisis Wahl zum Präsidenten, der selbst ein Akteur der Massenhinrichtungen von politischen Gefangenen im Sommer 1988 und eingeschworener Regimeanhänger ist, war bereits eine Schreckensbotschaft an das Volk: Keiner wird ungeschoren davonkommen.

Die Unterdrückung der Frauen hat seit Raisis Wahl deutlich zugenommen. Mittelalterliche Methoden wie die Abtrennung von Gliedmaßen als Strafmaßnahme werden erneut eingesetzt, außerdem öffentlich veranstaltete Hinrichtungen. Die massive Unterdrückung hat die Menschen im Iran zusammen gebracht und den Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt.

Proteste unterscheiden sich zu den vorherigen

Während Raisi am 21. September in seiner Rede vor der UN-Versammlung in New York ein Bild von Ghasem Soleimani hochhält und ihn als Held der Nation feiert, wird gleichzeitig ein Video veröffentlicht, in dem junge Iraner Bilder von Soleimani, Khomeini und Khamenei im Iran runterreißen und anzünden.

Schnell wird deutlich, dass diese Proteste sich unterscheiden zu den vorherigen. Seit sieben Tagen halten sie bereits an und haben sich in 116 Städte und 28 Provinzen ausgebreitet. Der Gouverneur von Teheran sagt: "Diese Proteste sind organisiert. Sie greifen unserer Regierung in ihrem Kern an."

Die Oppositionsgruppe "Volksmojahedin" berichtet, sie habe ihr Netzwerk im Iran ausgebaut und arbeite verstärkt daran, die Proteste weiter voranzutreiben. "Ihr könnt euch nicht vorstellen, was hier los ist. Wenn es so weitergeht, können die Exiliraner in den kommenden Monaten wieder zurückkommen", sagt S. aus Rasht.

Wie eine Tsunami-Welle haben die Protestaktionen den Iran getroffen. Viral erreichen uns überwältigende, eindrucksvolle und faszinierende Bilder von dem Mut, dem Widerstand und dem Einsatz der jungen Iraner. Nicht nur, dass sich die Demonstrationen radikalisiert haben – nein, junge Iraner fordern in organisierten Protestaktionen das Regime zum Kampf auf.

Im Gegensatz zu früher verpassen die jungen Menschen den Regierungsmilizen eine Abreibung und machen damit eins ganz klar: Wir holen uns nicht nur den Iran zurück, wir wollen unsere Würde zurück. Die Angst weicht zurück. Die Iraner haben nichts mehr zu verlieren, sie können nur noch gewinnen. Deutlich wird auch, dass die Attacken in Gruppen stattfinden und der Zusammenhalt die Protestierenden stärkt.

Die Weltgemeinschaft muss den Ruf der Iraner nach Freiheit hören

Von den Protestierenden wird Ali Khamenei, der oberste Religionsführer, "Zahhak" (deutsch: Sohak) genannt. Damit verweisen sie auf den von dem bekannten Dichter Ferdowsi erschaffenen Prototyp jeglicher Tyrannei und Fremdherrschaft aus der persischen Mythologie, welcher von König Fereydun besiegt wurde. In dem symbolisierten Kampf zwischen "Gut" und "Böse" gewinnt letztlich das "Gute". Ist das ein symbolischer Hoffnungsträger für das Volk?

Noch nie war es so eindeutig wie heute, noch nie hat es das so sehr gebraucht wie heute: Das iranische Regime muss den Druck und die Härte der Weltgemeinschaft zu spüren bekommen. Der Ruf der Iraner nach Freiheit muss gehört und unterstützt werden.

Die zögernde Haltung der Bundesregierung ist inakzeptabel. Es muss jetzt gehandelt werden und nicht darüber nachgedacht werden, ob gehandelt wird. Durch den harten Kurs des iranischen Regimes steht dem Iran ein Blutbad bevor. Wirtschaftliche Interessen dürfen keine Rolle mehr spielen, sondern das Recht der Iraner auf einen demokratischen Wandel muss von dem Westen anerkannt werden. Spätestens seit der Invasion der Russen in die Ukraine ist deutlich geworden, dass die Zeit des Händeschüttelns mit Diktatoren zu Ende ist.

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